Kultur und Geschichte

Letzte Aktualisierung 22. Februar 2005
Startseite Startseite Startseite Startseite Startseite Startseite


 

   

Inhalt:
Die Chronik Friedelsheims
Historische Darstellungen (*)
Berühmte Friedelsheimer Persönlichkeiten:
- der Maler Christian Koester (*)
 
 
 

Die Chronik Friedelsheims
 
 
770

Friedelsheim wird erstmals im „Lorscher Codex“ urkundlich erwähnt.



Der Lorscher Codex
 



Die erste Erwähnung Friedelsheims
 


Erwähnung Friedelsheims im Lorscher Codex (24.06.770 n.Chr.)

Donatio Wachonis in Fridolfesheim In Xpi (Christi) nomine sub die
VIII kalendae Julii anno sec(on)do Karoli regis:
Ego, Wacko, dono ad s. nz. mrem. (sanctum Nazarium martyrem),
qui req. (resquiescit) in corpere in monast(erio) Laurishamensi, ubi
vener(abilis) Gundelandus abbas p(rae)esse videt(ur), mansos II in pago
Spirensi in Fridolfesheim, cum casa desup(er) et pomerio (pomario)* et
Jurn XXVII, cum campis, silvi(s) aq(ui)s et vineam l et in Hemmingesheim
mansu(m) unu(m) et q(ui)dq(ui)d ibide habere videor, stip(ulatione)
subnixa act(um) in Mon(asterio) Laur(ishamensi), t(empore) q(uod)
s(upra).
Karoli regis
Gundeland(us) 166
*vermutlich Schreibfehler im Text des Codex, es müßte pomario heißen.
Satzzeichen, zur leichteren Übersetzung, nach heutigem Usus eingesetzt

Schenkung des Wacko in Friedelsheim
(Übersetzung des Orginaltextes: Dr. P. Richter)

Im Namen Christi schenke ich, Wacko, am VIII. Tag der Kalendae des
Julis, im 2. Jahr der Regierung Königs Karl (d.h. am 24. Juni 770), zu
Ehren des Heiligen Märtyrers Nazarius, dessen Leib im Kloster Lorsch
ruht, dem der ehrwürdige Gundeland als Abt vorsteht, 2 Hofstellen im
Speyergau, in Friedelsheim, mit daraufstehendem Haus und Obstgarten
und 27 Jurn Land mit Feldern, Wäldern, Gewässern und einen Weinberg,
im (vermutlich) Hemshof eine Hofstelle und 2 Jurn Land und was ich dort
rechtmäßig habe.
Mit Handgelöbnis beurkundet im Kloster Lorsch zur obengenannten Zeit.
 

1116

älteste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Friedelsheim, der heutigen protestantischen Kirche. Bischof Bruno von Speyer übertrug in diesem Jahr dem Kloster Limburg die Patronatsrechte und -pflichten über die Kirche in Friedelsheim.
1153
lässt sich das Kloster Limburg seine bisherigen Besitzungen in Friedelsheim durch den Bischof von Speyer, Günther, bestätigen.
1418
Kurfürst Ludwig III. kauft von Johann, Freier von Derne, Hans von Hohenburg, Kraft und Friedrich, Freie von Derne, ihr Haus (Burg?), Hofraithe und Gesesse zu Friedelsheim auf erblich und ewiglich für sich und seine Erben.




Rekonstruktion der Burg Friedelsheim um 1420
 

1463
verkauft Friedrich I., der Siegreiche, die wehrhafte Burg Friedelsheim dem Abt des Klosters Limburg, Heinrich, genannt Ullner von Dieburg.
1471
gehen alle von Ludwig von Veldenz eroberten Gebiete der Pfalz an den Kurfürsten der Pfalz über.
1575
erteilt Kurfürst Friedrich III. seinem Sohn, dem Pfalzgrafen Johann Casimir, die Erlaubnis, Burg und Schloss Friedelsheim zu kaufen.
1576
baut Johann Casimir das Schloss aus und legt..........




Pfalzgraf und Herzog Johann Casimir
 

1578
die Burgvogtei in dasselbe. Er versieht das Schloss mit einem Lustgarten, dem vornehmsten pfälzischen Hofgarten seiner Zeit. Das Schloss wird Jagdhaus; der schöne Saal birgt Gemälde. .

1579

1583
Hier trifft er sich als begeisterter Calvinist zur Zeit der Hugenottenverfolgung in Frankreich mit führenden Männern der europäischen Politik. Manche Kriegspläne werden hier entworfen.




 Schloss der Familie von Wiser
 

1583
stirbt sein Bruder Kurfürst Ludwig VI. Johann Casimir kehrt nach Heidelberg zurück und wird Administrator der Kurpfalz für den noch unmündigen Sohn Ludwigs, den späteren Kurfürst Friedrich IV.
1592
stirbt Pfalzgraf Johann Casimir.
1613
bestimmt Kurfürst Friedrich V. (der Winterkönig) das Schloss Friedelsheim zum Witwensitz seiner Gemahlin Elisabeth Stuart, Tochter König Jakobs I. von England.
1648
nach Beendigung des 30-jährigen Krieges zieht Kurfürst Carl Ludwig sämtliche Hirschhorner Lehen ein.
1699
belehnt Kurfürst Johann Wilhelm seinen verdienten Kanzler Freiherr Franz Melchior von Wiser mit den ehemaligen hirschhornischen Lehen, d.h. auch mit dem Schloss Friedelsheim, bzw. seinen Überresten.
1700
beginnt man mit dem Neubau des Schlosses Friedelsheim.
1708
wird der Bau von seinem Sohn Franz Joseph vollendet.
1712
übernimmt Franz Joseph Graf von Wiser die Gerichtsbarkeit und Friedelsheim als Lehen.
1751
Friedelsheim hat 5 Konfessionen: Calvinisten, Lutheraner, Katholiken, Mennoniten und Juden.
1758
wird das Schloss Friedelsheim den Brüdern Friedrich Joseph und Carl Joseph jeweils hälftig zugesprochen. Carl Joseph wird Ortsherr von Friedelsheim.
1770
stirbt Carl Joseph.
1784
Christian Phillip Köster wird in Friedelsheim geboren, er ist zu späteren Lebzeiten Maler und Restaurator alter Meister in Heidelberg und Berlin.
1794
brennt das Schloss nach dem Einfall der Franzosen im Zuge der französischen Revolution vollkommen aus.
1802
wird Graf Joseph von Wiser nach dem Frieden von Lunéville auf sein Gesuch hin wieder in seine Güter eingesetzt. Er beginnt mit dem Wiederaufbau in Friedelsheim. Er lässt im Burghof Wohnungen einrichten. Diese Bautätigkeit wird durch einen Erlass Frankreichs gebremst, er sollte entweder französischer Staatsbürger werden oder seine Güter kurzfristig verkaufen. Da er seine deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgeben wollte, verkauft er....
1803
für 18 000 Gulden seine Friedelsheimer Besitzungen an Heinrich Pletscher, Jakob Pletscher, Johannes Leisy, Abraham Leisy, Johannes Rißer, Christian Lichti und Johannes Latscha. Damit ging die 100-jährige Herrschaft der Grafen von Wiser zu Ende. Ein Teil der Friedelsheimer Mennoniten aber war durch die französische Revolution von Erbbeständern zu Eigentumsbauern geworden.
1812
Bau der katholischen Kirche.

1839

Bau des Gemeindehauses der Mennoniten auf dem Gelände der früheren Friedelsheimer Burg.
1850
hat Friedelsheim 703 Einwohner: 437 Protestanten, 140 Katholiken, 76 Mennoniten und 50 Juden.
1851
Neubau und Einweihung der neuen Schule (in der Schulstraße).
1854
Bau einer Synagoge, die heute als Wohnhaus genutzt wird. Damit hat Friedelsheim vier Kirchen; die meisten in der Pfalz bezogen auf die Einwohnerzahl.
1871
Gründung der Ortsfeuerwehr.
1883
Einweihung der Mennonitenkirche.
1889
Gründung des landwirtschaftlichen Konsumvereins (Raiffeisen).
1890
Gründung des Turn- und Sportvereins.
1911
Gründung der Winzervereinigung Friedelsheim.
1913
wird Friedelsheim durch die Pfalzwerke mit elektrischem Licht versorgt; im gleichen Jahr wird die Rhein-Haardt-Bahn zwischen Bad Dürkheim und Mannheim mit der Haltestelle „Friedelsheim“ in Betrieb genommen.
1926
gründet Georg Friedrich Beck die „Friedelsheimer Gruppe“, einen Zweckverband für Wasserversorgung, der noch heute diesen Namen trägt.
1945
werden bei einem Luftangriff im 2. Weltkrieg einige Häuser und die ev. Kirche beschädigt.
1946
Gründung der Vereinigung Bauern- und Winzerschaft.
1952
Gründung des Ev. Posaunenchors Friedelsheim-Gönnheim.
1972
bildet Friedelsheim mit den Gemeinden Wachenheim, Gönnheim und Ellerstadt die „Verbandsgemeinde Wachenheim“.
1976
Gründung des Ortsverschönerungsvereins.
-Ein Großfeuer wütet im Mennonitenhof.
1978
Das evangelische Gemeindehaus wird eingeweiht, ebenso die Gruppenkläranlage Friedelsheim-Gönnheim.
1979
Einweihung der „Schwabenbachhalle“.
1981
wird der Burggraben wieder ausgebaut.
1983
setzt ein heftiges Unwetter an der Kerwe (3. Sonntag im August) zahlreiche Keller unter Wasser.
1984
wird bei Renovierungsarbeiten an der ev. Kirche ein römischer Sarg aus der Mitte des 3. Jh. n. Chr. gefunden.
- Friedelsheim wird im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ Sieger auf Kreisebene.
- Der erste Weihnachtsmarkt um die Kirche findet statt.
1985
überschwemmt ein heftiges Unwetter Friedelsheim.
1987
wird der Burgturm renoviert.
1995
feiert Friedelsheim sein 1225-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung und zahlreichen Aktivitäten.
1999
findet anlässlich des 215. Geburtstags des Malers Christian Phillip Köster, dem großen Sohn der Gemeinde Friedelsheim, eine gut besuchte Ausstellung statt.
- Beim Wettbewerb „DEUTSCHE WEINSTRASSE“ erreicht Friedelsheim den 2. Platz.
2000
hat Friedelsheim seit 22 Jahren wieder eine Weinprinzessin, Sonja I. (Stapf).
- Die Agenda 21 wird beschlossen.
2001
stellt eine Dokumentation das Leben der Schlossherrin Dorothea Gräfin von Wiser dar.
- Der Ortsverschönerungsverein eröffnet im Bauhof eine historische Schmiede.
- Zum Agenda 21-Prozess bilden sich vier Arbeitskreise: Ortgestaltung, Verkehr, Jugend u. Soziales und Ressourcen.
- Der Johann-Casimir-Rundweg wird eingeweiht.
2002
wird Friedelsheim Kreissieger im Wettbewerb „unser Dorf soll schöner werden“.
- Annika I. (Acker) tritt die Nachfolge von Sonja Stapf als Friedelsheimer Weinprinzessin an.
- Sonja Stapf wird in Neustadt a. d. Weinstrasse zur Pfälzischen Weinprinzessin gewählt.
 


   

Historische Darstellungen
 


Schloss des Johann Casimir


Kurpfälzer Wappen


Schloss Friedelsheim


Bild aus der so genannten "Holländischen Schule"
 


 
Der Maler Christian Phillip Koester
 

13.2.1784

Christian Phillip Koester wird in Friedelsheim geboren.
Vater: Phillip Christian Wilhelm Koester ( 1744 - 1806), Ehegerichtsrat, Notar und Weingutsbesitzer in Friedelsheim.
Mutter: Maria Charlotte geb. Wernborner (1750 - 1834)
 

1794 bis 1799

Französische Revolutionstruppen dringen in die Pfalz ein. Auch Friedelsheim wird von den kriegerischen Ereignissen heimgesucht. Die Familie Koester flieht mehrmals nach Mannheim und Heidelberg. Vermutlich besucht Christian Koester ein Gymnasium in Mannheim oder Heidelberg. Am 28.11.1789 wird er an der Universität Heidelberg als "Cameralist" (Student der Staatswissenschaften) immatrikuliert. Dort lernt er "Johann Jacob Strüdt" kennen, der ihn in der Landschaftsmalerei anleitet
 

1800
bis
1805
 

Christian Koester hält sich in Heidelberg, München (Studien an Bildern Claude Lorrains), Mannheim (Naturstudien) und vermutlich auch in der Schweiz auf und bildet sich dabei autodidaktisch weiter. Ein Studium an der Kunstakademie in München oder der Mannheimer Zeichnungsakademie lässt sich nicht nachweisen.

1806

Christian Koester hört an der Uni Vorlesungen von Dr. Philipp Kayser über "Oedipus des Sophokles"
 

1807
 

Reise nach  Italien, Christian Koester feiert den Jahreswechsel 07/08 in Rom!
 

1809
bis
1813
 

Christian Koester hat seinen Wohnsitz wieder in Friedelsheim, über einen Abschluss seines Studiums der "Cameral-Wissenschaften" wird nichts bekannt. Als Sohn wohlhabender Eltern hat er offenbar keine Probleme! Er malt, besucht Verwandte, lernt in Heidelberg die Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée kennen und macht ihnen Vorschläge für die Restaurierung ihres Bildes "Die Heilige Veronika mit dem Schweißtuch", ein Gemälde des 14. Jh.
Im Herbst 1813 übernimmt er die in Heidelberg vakant gewordene Stelle ihres Restaurators. Vermutlich aus diesem Grund zieht er mit seiner Mutter und Schwester von Friedelsheim nach Heidelberg.
 

1814
bis
1819

Christian Koester restauriert in Heidelberg Gemälde alter Meister der großen und wertvollen Sammlung der Brüder Boiserée bis zu deren Umzug nach Stuttgart im März 1819.
1815 lernt er in Heidelberg Johann Wolfgang v. Goethe kennen, der sich für die Sammlung der Brüder Boisserée sehr interessiert und die Restauration Christian Koesters lobt.
1817 wird er Mitglied des berühmt gewordenen "Singvereins" von Professor Thibaut in Heidelberg. Er gilt als eifriger und shr guter Klavierspieler.
Den Jahreswechsel verbringt er mit seinem Freund und späterem Schwager Johann Jacob Schlesinger in Heidelberg.
 

1821

Im September reisen Christian Koester und Johann Schlesinger nach Dresden, wo Schlesinger Raphaels Sixtinische Madonna für den Speyerer Dom kopiert.
 

1822

Im März lehnt Christian Koester ein Angebot Melchior Boiserées ab, Bilder in Stuttgart zu restaurieren.
 

1823
bis
1824

In Karlsruhe beteiligt er sich zum ersten Mal an einer Kunstausstellung, u. a. mit dem anschließend mehrfach diskutiertem Gemälde "Der Kirchhof von Friedelsheim". Dieses Bild wird von der Ausstellungsleitung gekauft und verlost. Seitdem ist es leider verschollen.
Im Winter 1823/24 korrespondiert Christian Koester mit Eduard Mörike über dessen in Heidelberg aufgefundene "Peregrina" Maria Meyer, und deren "Unarten" in Heidelberg. Im März 1824 folgt er seinem Freund Schlesinger nach Berlin und erhält eine staatliche Anstellung als Restaurator für die Königliche Gemäldegalerie. Er restauriert Gemälde der 1821 vom preußischen Staat angekauften Sammlung Solly, größtenteils Gemälde des 14. und 15. Jahrhunderts.
 Ab 1827 berichtet Christian Koester in 3 Heften "Über die Restauration alter Ölgemälde". Diese Veröffentlichungen finden in Fachkreisen hohe Anerkennung. Obwohl die Leitung der Königlichen Gemäldegalerie in Berlin ihn
 

1830

wegen seines Könnens und seines Einfühlvermögens in die Kunst alter Meister sehr schätzt und weiterbeschäftigen möchte, ihm auch eine lebenslange Anstellung als Restaurator anbietet, kehrt er Ende 1830 nach Heidelberg zurück, wohl aus Liebe zu seiner Mutter, die er bis zu ihrem Tode (1834) betreut.
 

1833

Christian Koester veröffentlicht das erste seiner Hefte mit dem Titel "Zerstreute Gedankenblätter über Kunst", dem bis 1848 fünf weitere folgen.
 

1839

Christian Koester wohnt spätestens seit 1839 und von da an bis zu seinem Tad in der heutigen "Neckarstaße 30", am Jubiläumsplatz in Heidelberg. Mit Gustav Parthag unternimmt er eine Kunstreise in die Niederlande.
 

1840

Reisen nach München, Regensburg, Nürnberg und Würzburg.
 

1848

Reise nach Trier.
Im Dezember diesen Jahres lernt er in Heidelberg Gottfried Keller kennen, der ihm sein Skizzenbuch zeigt und ihn bittet, seine Arbeiten zu beurteilen.
 

1849
bis
1851
 

Christian Koester ist weiterhin mit den Brüdern Boiserée eng befreundet. Er besucht die Familie von Sulpiz Boiserrée in Bonn und besichtigt mit Sulpiz den Dom und die Wallraf-Sammlung in Köln.
Am 29.11.1851 stirbt Christian Koester am "Schlagfluß" und wird am folgenden Tag auf dem Bergfriedhof in Heidelberg beerdigt.

 
 

 Seitenanfang - Startseite